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Bürgerbus zieht neue Mitglieder an

aus der Esslinger Zeitung vom 15.04.2015

Bürgerbus zieht neue Mitglieder an

Wendlingen:
Die Vorsitzenden Fred Schuster und Heinz Benz wollen den Bürgerverein mit frischen Ideen beleben

Ein Generationswechsel steht beim Wendlinger Bürgerverein bevor. Der Vorsitzende Heinz Benz teilt sich jetzt die Geschäfte mit Fred Schuster, dem Leiter des Ordnungsamts. Dem Verwaltungsfachmann gefällt das Ehrenamt gut. Gemeinsdam mit Benz möchte er "den Verein mit neuen Ideen beleben". Eine Erfolgsgeschichte ist der  Bürgerbus. 44 Fahrer beförderten 2014 12.000 Fahrgäste.
Darauf sind Schuster und Benz sehr stolz. "Gerade Witwen, die nach dem Tod des Mannes kein Auto mehr haben, sind auf das Angebot dringend angewiesen", findet Heinz Benz. Und da gehe es nicht nur um den Transport. "Viele mögen es auch, mit den Fahrern ins Gespräch zu kommen", hat der 84-jährige Senior beobachtet. "Die müssen vor allen gut zuhören können", sagt er und lacht. Dieser soziale Aspekt darf aus der Sicht des Vorsitzenden nicht zu kurz kommen.

Reibungsloser Ablauf mit 44 Fahrern

Fred Schuster, der inzwischen auch Vorsitzender des Verbands der Bürgerbusse in Baden-Württemberg ist, freut sich sehr, dass die Organisation so gut klappt. Die ehrenamtlichen Fahrer halten aus seiner SIcht den Fahrplan bestens ein. Sie haben anspruchsvolle Prüfungen abgelegt und brauchen einen besonderen Führerschein. Auch Bürgermeister Steffen Weigel und der ehemalige Chef des Stadtbauamts, Paul Herbrand, sitzen regelmäßig am Steuer. "Immer wieder kommt der Bus wenige Minuten später an eine Haltestelle, aber meist klappt der Ablauf reibungslos." Landesweit liegt der Wendlinger Bürgerbus an fünfter Stelle, was die Fahrgastzahlen angeht.
Dass sich die Aufgaben des Bürgervereins stark gewandelt haben, weiß Fred Schuster. In den 70er-Jahren verhinderten der inzwiwschen verstorbene Ehrenvorsitzende Helmut Stephan und seine Mitstreiter den Bau eines zweiten Parkplatzes an der Autobahn im Wald. "Da mischte sich der Verein auch in die Kommunalpolitik ein", erinnert sich Heinz Benz. Stephan initiierte auch das Buchprojekt "Wendlingen aus alter Sicht" und ermöglichte mit dem Verein, dass ein Stück der alten Stadtmauer in der Pfauhauser Straße restauriert werden konnte. Auch die inzwischen etwas verblassten Tafeln für den Lauterbegleitweg hat der Verein aufgestellt.
Er sei offen für neue Aufgaben, sagt Fred Schuster. Was der Bürgerverein künftig leisten soll, will er mit den Mitgliedern herausfinden. "Uns ist es wichtig, mit unseren Aktivitäten mehr ins Bewsusstsein der Bürger zu rücken", nennt Schuster sein wichtigstes Ziel für die Zukunft. Der Bürgerbus mit seinen gut ausgeschilderten Haltestellen ist da aus seiner Sicht ein guter Anfang. "Außerdem füllen wir da eine Lücke, weil es in Wendlingen noch keinen Stadtbus gibt." Für Senioren ohne Auto, die in den Wohngebieten am Berg oder auf der Weinhalde leben, sei das Zentrum ansonsten schwer zu erreichen.
Am landesweiten "Tag des Neckars" im September will sch der Bürgerverein ebenfalls beteiligen - gemeinsam mit dem Radfahrverein und dem Geschichts- und Kulturverein Köngen. "Wir möchten den Fluss wieder stärker ins Bewusstsein der Wendlinger rücken", sagt Schuster. Ihm ist es wichtig, den Bürgerverein noch mehr mit anderen Gruppen und Organisationen zu vernetzen.

Barrierefreies Zentrum

Das sieht auch Heinz Benz so. Der engagierte Senior ist selbst parallel noch in der Lokalen Agenda aktiv. Da kümmert er sich zum Beispiel um den Stadtplan für Behinderte und um ein barrierefreies Wendlingen. "Dass die Behindertentoilette im Rathaus mit einem entsprechenden Ausweis offen ist, wertet Benz als "großen Erfolg". Das bedeute ein Stück Freiheit für die Bürger, die ansonsten im Alltag eingeschränkt wären. Aus Benz' Sicht gibt es in Wendlingen noch "viele Möglichkeiten, sich mit anderen Vereinen zu  vernetzen."
Mit dem Bürgerbus und mit anderen Aktivitäten, die alle Generationen ansprechen, hofft das Leitungsteam, auch wieder mehr Jüngere für den Bürgerverein zu begeistern. Inzwischen sind 39 Mitglieder eingeschrieben, von denen viele zum Kreis der Busfahrer gehören. "Das hat uns einen richtigen Aufschwung gegeben", findet Schuster. Er freut sich immer besonders auf den Fahrertreff, den der Bürgerverein organisiert.